Press Front Group

Tagblatt: Beobachten Spieler beim Einlaufen

17.07.2004 | St. Galler Tagblatt / a. sgro | St. Gallen

Beobachten Spieler beim Einlaufen

Michele und Renato Cedrola aus Au haben dem FC Basel einen argentinischen Stürmer und einen österreichischen Goalie vermittelt Vertrauen aufbauen, Parteien zusammenbringen und Beziehungen pflegen – wie sich zwei Rheintaler im internationalen Fussball als Spielervermittler einen Namen gemacht haben.

Heute startet die neue Saison in der Axpo Super League. Die zehn Vereine haben im Vorfeld wieder kräftig Spieler eingekauft. Die gehaltvollsten Transfers tä- tigte der FC Basel. Der Klub am Rheinknie ergänzte und verstärkte sein in der Schweiz ohnehin überlegenes Kader mit sechs neuen Spielern – lauter Nationalspieler. Darunter befinden sich auch Thomas Mandl und César Andrés Carignano. Der eine ist österreichischer Nationaltorhüter und der andere ein 22-jähriges gross gewachsenes Stürmertalent aus Argentinien.

Schweizer Rekordtransfer
Spezialisiert sind die Cedrolas jedoch auf den argentinischen Markt: «Diese Spieler sind in Europa sehr beliebt. Die Argentinier sind sehr gut ausge-bildet, legen viel Wert auf Technik und Kreativität. Zudem sind sie uns kulturell sehr ähnlich», weiss Michele Cedrola. «Und die Argentinier sind es auch, wel-che sich in den letzten Jahren in den europäischen Topklubs am stärksten durchgesetzt haben und dies weiter tun werden», ergänzt Renato. Ob sich Basels César An- drés Carignano durchsetzen und später in einer europäischen Topmannschaft auflaufen wird, hängt von seiner persönlichen Weiterentwicklung in Basel ab. Die Cedrola-Brüder sind überzeugt, dass der Streller-Ersatz zum richti-gen Zeitpunkt zum richtigen Verein gewechselt hat. Klar ist zudem: Mit Carignanos Trans-fer zum FC Basel realisierten die Cedrolas die höchste Trans fersumme in der Schweizer Fussballgeschichte. Man spricht von einer Transfersumme über vier Mio. Franken. Die Brüder Cedrola wollen diese Summe weder bestätigen noch dementieren: «Wir kommentieren keine Transfersummen. Das ist Sache des Vereins oder des Spielers. Wir sind dazu da, um die Parteien zusammenzubringen.»

Vier Monate in der Schwebe
Dabei spielt die Zeit eine grosse Rolle. So dauerte es gut vier Monate bis der Transfer Carignanos perfekt war. Der Spieler wurde lange Zeit studiert. Jedes Detail musste stimmen. «So schauten wir auch darauf, wie sich der Spieler beim Aufwärmen verhält: Hält er sich abseits der Teamkollegen auf? Oder integriert er sich gut? Das sind kleine Details, sagen aber viel aus über den Charakter des Spielers», erklärt Michele Cedrola. Die Abwicklung des Transfers von Thomas Mandl dauerte weniger lang: «Bei ihm mussten wir jedoch mehr Überzeugungsarbeit leisten.» Denn mit Pascal Zuberbühler steht der neue Schwei- zer Nationaltorhüter zwischen den Pfosten der «Bebbis». Deshalb weiss Mandl, dass «ich natürlich nicht davon ausgehen kann, gleich die Nummer 1 zu sein.» Sollte es für den Österreicher sportlich nicht wunschgemäss laufen, darf er nach einem Jahr den FC Basel wieder verlassen. Nicht verlassen werden die Brüder Cedrola ihr Business als Spielervermittler. Das erfolgreiche Zweimann-Unternehmen denkt gar an eine Erweiterung. «Unser Beispiel zeigt, dass es auch im Rheintal möglich ist, im Spitzensport etwas zu erreichen.» Man solle seine Grenzen nicht zu tief ansetzen, sind die Cedrola-Brüder überzeugt.

Zwei Senkrechtstarter
Reisen an Fussballmatches wollten sie organisieren – und tun sie heute noch – darum gründeten die Cedrolas ihr Unternehmen «Front Marketing». Nach einer hauseigenen Markt- untersuchung stiegen Michele und Renato Cedreola vor vier Jahren ins Spielervermittlergeschäft ein und spezialisierten sich vor allem auf den argentinischen Markt. Zu ihren Kunden zählen Profivereine aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und zunehmend auch Teams aus Italien und Spani-en. Für den FC Basel wurden sie innerhalb kurzer Zeit zu den wichtigsten Spielervermittlern. (orx)