Wo geht der europäische Fussball hin … – FRONT GROUP | WE ARE GRANDE FOOTBALL
Press Front Group

Wo geht der europäische Fussball hin …

Heuten wollen wir mit Euch nicht über Taktik, Philosophie, Stärken, Mentaler Druck oder Stars reden.

Was passiert im Fussball betreffend den Finanzen und der Wirtschaftskrise? Der Fussball ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Das Rad dreht sich auch in der beliebtesten Sportart unseres Planeten und wir können die Folgen der Wirtschaftskrise (richtigerweise) spüren. Warum verkauft der AC Milan Ibrahimovic und Thiago Silva? Warum haben Real Madrid und Barçelona noch keinen Transfercoup gelandet? Sind die arabischen Fussballvereine (Manchester City, Malaga und PSG) auf dem Vormarsch? Welche Liga wird das Geschehen in Europa prägen? Wandern viele Spieler nach China aus? Welche Rolle spielt die Jugendarbeit?

Vorab gesagt: Es ist richtig, dass man nur so viel ausgibt wie man einnimmt. Was nützen den Vereinen, Spielern und Agenten Verträge und Vereinbarungen, wenn diese nicht eingehalten werden können. Was hilft ein Vertrag der eine Summe X besagt und dann nur die Hälfte ausbezahlt wird? Mit dem Wissen, dass man den vereinbarten Vertrag nicht erfüllen kann und trotzdem das Versprechen auf Papier tippt, ist für mich ganz klar Betrug. Wenn die Vereine Geld ausgeben, das sie nicht haben ist es zudem Wettbewerbsverzerrung, sonst könnte ja der FC Thun Alessandro Del Piero und Michael Ballack verpflichten und um die Meisterschaft spielen.

Mit der aktuellen Krise müssen alle im Fussballzirkus kleinere Brötchen backen.  Nachdem Silvio Berlusconi (Präsident vom AC Milan) über Jahre das grosse Defizit aus seiner eigenen Tasche ausglich und den Rossoneri immer ein Topkader für die Erfolge zu Verfügung stellte, musste er (schweren Herzens aber mit Verstand eines Unternehmers) seine zwei Topaktien (Thiago und Ibra) zu ca. 65 Millionen Euro an den neuen europäischen Emporkömmling PSG aus Frankreich verscherbeln. Nicht nur, dass er 65 Millionen (!!!!) eingenommen hat, sondern auch die extrem hohen Lohnkosten in Zukunft (Ibra verdiente bei Milan 10 Millionen Euro netto, d.h. ca. 20  Brutto pro Jahr)  einspart und somit sein Budget um fast 170 Millionen Euro reduziert hat. Wow! Was bedeutet dieses Beispiel?

In Italien finden nur ganz wenige Transfers statt. Es werden hauptsächlich ablösefreie oder ausgeliehene Spieler verpflichtet. Die Klubs verbuchen nur geringe Transfereinnahmen und versuchen die Lohnkosten beim kickenden Personal zu verringern. Das beste Beispiel ist der spanische Fussball. Die Zweitliga-Clubs sind praktisch alle pleite und in der ersten Division haben Real und Barça noch keinen Hochkaräter verpflichtet. Kein Wunder, sie können keine Stars mehr auf Pump holen. Real versucht zuerst ein paar Akteure loszuwerden, bevor sie Modric (Stand 15.08.12) mit der üblichen Gala im Santiago Bernabeu präsentieren werden. Barça lebt momentan hauptsächlich vor den bereits vorhanden Stars und ihrer „cantera“, der besten Nachwuchsakademie der Welt. Auch in England werden nicht mehr alle Herrgottspreise für jeden normalkickenden Akteur bezahlt. Sie leben immer noch von der Vermarktung der Premier League im In- und Ausland und trotzdem haben die Briten in den letzten 13 Jahren nur drei Champions League Trophäen nach Hause gebracht. Die Liga besteht hauptsächlich aus ausländischen Spielern. Es wäre an der Zeit, die ungenügende Nachwuchsarbeit zu verbessern und endlich wieder richtig gute englische Kicker zu lancieren.

Was ist mit den neuen Geldgebern aus den Ölstaaten? Warum wollen Sie in der grossen Fussballwelt alles zusammenkaufen und dominieren? Es musst gesagt sein, dass die Scheichs frisches Geld in den Markt pumpen und somit auch viele Leute davon profitieren (bei den aktuellen Ölpreisen sind wir sowieso alle Mitinvestoren). Der Fussball ist für diese Herren Amüsement und Business. Sie verfügen nicht über die Tradition und Leidenschaft unseres Sports. Wenn sie sich langweilen, lassen sie den Verein (siehe Malaga) einfach ausbluten und hinterlassen einen Scherbenhaufen.

Toll machen es die Deutschen. Sie haben die besten Stadien, eine sehr gesunde Liga und eine fantastische Jugendarbeit. Sie sind absolut auf der Überholspur und alle anderen Nationen sollten sich ein Beispiel nehmen. Es wurde in Steine und Beine investiert. Im Zuge der WM-Vergabe bauten alle Vereine neue, schöne und komfortable Stadien. Extrem talentierte Nachwuchsleute schiessen wie Pilze (Reus, Schürrle, Götze, Özil) aus dem Boden. Dies wurde mit grosser Weitsicht vom DFB geplant. Das Produkt Bundesliga vermarktet sich toll und wegen der typisch deutschen kaufmännischen Solidität können die Clubs Spieler mit richtigem Geld verpflichten. Es herrscht ein absoluter Boom.

Vor 3 Jahren haben wir begonnen Spieler nach China zu vermitteln. Ich selber war mehrere Wochen vor Ort und konnte die grosse Fussballbegeisterung der Chinesen spüren.  Man kann das Land der aufgehenden Sonne nicht mit Dubai oder Qatar vergleichen. In China gehen viele Zuschauer zu den Spielen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihre Super League ein gutes und attraktives Niveau erreicht. Leidenschaft und Geld ist reichlich vorhanden. Drogba lässt grüssen.

Zum Abschluss müssen wir feststellen, dass die Top-Brasilianer unterdessen lieber Zuhause bleiben. In Brasilien geht derzeit die Post ab. Spieler verdienen unglaublich viel Geld und alle Topstars verbringen die Feierabende lieber an der Cobacabana als im Ruhrgebiet. Wir werden uns (vorallem in der Schweiz) nur mit zweit- oder drittklassigen Sambakickern begnügen müssen. Wer jedoch gerne Brasil-Fussball verfolgen möchte, sollte sich ein Teleclub-Abo zutun (keine Werbung). Sie zeigen seit kurzem die brasilianische Serie A.

Bis dahin bleiben wir alle am Ball.

Euer

Renato Cedrola
Email: r.cedrola@frontgroup.ch