Tagblatt 27.01.2016 / Christian Brägger

FUSSBALL. Oscar Scarione wechselte im Sommer 2013 für drei Jahre von St. Gallen zu Kasimpasa Istanbul. Nun läuft der Vertrag aus. In sportlicher und finanzieller Hinsicht sind die Perspektiven des Argentiniers gut, Stadtrivale Besiktas zeigt Interesse.

CHRISTIAN BRÄGGER

Was bringt «KingEZE» die nahe Zukunft? Diesen Spitznamen haben die Türken Oscar Scarione gegeben.

Tiefe Spuren hat Oscar Scarione beim FC St. Gallen hinterlassen. Nach den zweieinhalb erfolgreichen Jahren mit den Ostschweizern und dem Transfer im Sommer 2013 zu Kasimpasa Istanbul war weit und breit niemand da, der in seine Fussstapfen hätte treten können. Er war in seiner Prägung der letzte Spielmacher des FC St. Gallen, und mit 21 Treffern in der Saison 2012/13 war er der letzte Torschützenkönig in den Reihen des Clubs. Es schaut gar danach aus, dass er dies für lange Zeit bleiben wird. Scarione war überdies der letzte Spieler, mit dem St. Gallen so richtig Geld verdient hat: Geschätzte 2,5 Millionen Franken brachte der Wechsel ein.

Am Bosporus dann fühlte sich Scarione nicht nur schnell wohl, mehr noch, er schlug bei Kasimpasa regelrecht ein. In der ersten Saison mit dem kleinen Istanbuler Verein erzielte er 16 Tore, eines mehr, und er wäre wie in der Schweiz Torschützenkönig geworden. Gereicht zum Titel «bester Ausländer der Saison» hat es trotzdem. Auch in der zweiten Spielzeit brachte er es auf gute 13 Treffer. In seinem letzten Vertragsjahr ist die Anzahl Tore zwar auf vier geschrumpft, was seinem Status aber nicht schadet. Der offensive Mittelfeldspieler ist begehrt, und das nicht nur, weil der Vertrag Ende Juni ausläuft und er dann ablösefrei zu haben ist.

Einen guten Namen gemacht

Mit den Leistungen hat sich Scarione einen guten Namen gemacht. Wie damals in der Ostschweiz kommt in der Türkei sein zurückhaltendes, pflichtbewusstes Wesen an. Und dass der Argentinier inzwischen die Landessprache beherrscht, macht ihn nahbar. Sein Berater Michele Cedrola sagt, Kasimpasa möchte den Vertrag unbedingt verlängern. Doch der Spieler zögert. Wohl auch im Wissen, dass es in seinem Alter von 30 Jahren der letzte grosse Kontrakt sein dürfte, den er an Land ziehen wird.

Hinzu kommt die sportliche Komponente, die Scarione im Kopf hat. Er möchte endlich um einen Meistertitel spielen, auch Auftritte auf der internationalen Bühne reizen ihn. Mit dem finanzstarken Istanbuler Spitzenclub Besiktas, der wie die Griechen von Paok Saloniki ein Auge auf ihn geworfen hat, sind diese persönlichen Ziele eher zu erreichen als mit dem aktuellen Arbeitgeber. «Priorität hat für mich Istanbul. Ich möchte mit der Familie hierbleiben», sagt Scarione. Cedrola fügt an, es gebe auch Angebote aus China, die man prüfen müsse. Noch sei nichts spruchreif, vorläufig seien die Annäherungen bestenfalls ein Beschnuppern. Vereine aus dem arabischen Raum kommen indes nicht in Frage, «für kein Geld der Welt», wie Scarione es sagt. Also drängt sich die Frage auf, weshalb Kasimpasa – aktuell auch dank der neun Tore des Schweizers Eren Derdiyok Liga-Sechster – so lange mit den Verhandlungen zugewartet hat. Cedrola antwortet: «Es gab einige Wechsel in der sportlichen Führung. Die Gespräche mit dem Verein sind jetzt am Laufen. Zudem planen die Türken nicht sehr lange im voraus. Alles geschieht eher kurzfristig.»

Rückkehr in die Schweiz?

Scarione kann sich vorstellen, nach der Karriere in die Schweiz zurückzukommen, hier hat es ihm immer gefallen. Aber erst nach dem letzten grossen Vertrag. So oder so: Er ist in einer komfortablen Situation, kann sich den Arbeitgeber aussuchen. Der Schritt will gut überlegt sein.