Im Volksblatt.li / 26.01.2016 / mp

 

Neumayr: “Wünsche dem FCV den Klassenerhalt”

VADUZ/LUZERN – Es ist fix: Der FC Vaduz muss ab sofort ohne seinen Spielmacher Markus Neumayr auskommen. Der 29-Jährige unterschreibt bei Ligakonkurrent FC Luzern einen Vertrag über eineinhalb Jahre. Im “Volksblatt”-Interview erklärt er die Beweggründe für seinen Abgang.

Gezweifelt hat am Wechsel von Markus Neumayr zum FC Luzern wohl niemand mehr. Zu eindeutig waren die Anzeichen für einen Abgang des deutschen Spielmachers, vor allem nachdem auch Trainer Giorgio Contini letzten Donnerstag die schon da weitgediehenen Vertragsverhandlungen bestätigte. Gestern nun folgte die offizielle Meldung. Neumayr unterschrieb beim Tabellenvierten der Super League einen Vertrag bis 30. Juni 2017. Über die Transfersumme vereinbarten beide Parteien Stillschweigen. So gering wie die “Neue Luzerner Zeitung” vergangene Woche schrieb (100 000 Franken, das “Volksblatt” berichtete), wird diese allerdings nicht gewesen sein.
Für den FCV war es die letzte Gelegenheit, Geld für seinen umworbenen Leistungsträger zu erhalten. Im Sommer wäre der Vertrag von Neumayr ausgelaufen und er ablösefrei zu haben gewesen. Aber: Verglichen mit dem Verlust für die Mannschaft, sind ein paar hundertausend Franken, die der Transfer wohl in die Klubkasse spült, nur ein schwacher Trost. Trotz des breiten Kaders und der Doppelbesetzung auf fast jeder Position schmerzt Neumayrs Abgang so sehr wie kein anderer. Mit dem Blondschopf aus Bayern, der gerne mal die Frisur wechselt und auch Tattoos sehr zugetan ist, verliert der FC Vaduz eine Leader- und Identifikationsfigur. Allein seine Statistikwerte – 21 Tore und 30 Assists in total 91 Spielen – zeigen, dass hier 2013 ein ausserordentlicher Spieler den Weg ins Fürstentum gefunden hatte. Ein Ersatz für Neumayr scheint nach wie vor nicht in Aussicht. Derzeit deutet alles darauf hin, dass Contini mit Spielern wie Moreno Costanzo, Ali Messaoud, Stjepan Kukuruzovic oder Robin Kamber die (grosse) Lücke zu schliessen versucht.
Neumayrs Weg, der einst bei Manchester United so richtig angefangen hatte, führt derweil in die Innerschweiz. Gestern Morgen wurde er beim FC Luzern willkommengeheis­sen, kurz darauf folgten die ersten Trainingseinheiten beim Team von Neumayrs Landsmann und Namensvetter Markus Babbel.

“Volksblatt”: Markus Neumayr, Sie kommen gerade von den ersten beiden Trainingseinheiten bei Ihrem neuen Arbeitgeber. Wie gefällt es Ihnen in der Innerschweiz?
Markus Neumayr:
Momentan ist alles noch ganz neu für mich. Es ist alles viel grösser als in Vaduz – es macht enorm viel Spass, hier zu arbeiten. Genau so habe ich mir das vorgestellt.

Ihr Wechsel zum FC Luzern wurde gestern offiziell gemacht. Was war für Sie ausschlaggebend, diesen Schritt zu wagen?
Grossen Einfluss hatte mit Sicherheit Trainer Markus Babbel. Ich stand schon lange in Kontakt mit ihm. Er hat mir in diesem Winter noch einmal klar gemacht, dass er mich gerne hätte. Deshalb hatte für mich der FC Luzern auch immer Priorität vor allen anderen Vereinen, die Interesse bekundeten. Ich bin dann auf den FC Vaduz zugegangen und habe ihnen erklärt, dass ich gerne nach Luzern gehen würde. Entweder jetzt oder im Sommer. Und dann war es der FCV, der entschieden hat, dass ich bereits im Winter wechsle.

In Vaduz haben Sie in den letzten Jahren nach einigen Berg-und-Tal-Fahrten in Ihrer Karriere endlich wieder zur Konstanz gefunden, spürten das volle Vertrauen von Seiten des Clubs. Inwiefern hat dies Ihre Entscheidung erschwert?
Es ist mir definitiv sehr schwer gefallen, den Verein zu verlassen. Ich durfte in Vaduz zweieinhalb super Jahre erleben. Ich weiss, dass ich auch aufgrund des Umfelds solch eine gute Entwicklung nehmen konnte und bin den Verantwortlichen deshalb sehr dankbar. Der FC Vaduz wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Erachten Sie diesen Wechsel auch ein wenig als persönliche Genugtuung nach ihrer Karriere-Odyssee bei vielen verschiedenen Vereinen – inklusive Verletzungsrückschlägen und Rücktrittsgedanken – vor dem Engagement beim FCV?
Ich sehe die neue Herausforderung vor allem als den nächsten Schritt in meiner Entwicklung, die in den letzten Jahren glücklicherweise nur positiv war. Für mich war wichtig, dass der nächste Verein zu mir passt. Luzern war nicht nur für mich als Mensch und Spieler sehr interessant, sondern auch für meine ganze Familie.

Beim FC Vaduz hinterlassen Sie eine grosse Lücke. Sie waren nicht nur wegen Ihrer Scorerpunkte enorm wertvoll fürs Team, sondern auch neben dem Platz eine Leaderfigur. Viele FCV-Fans glauben, dass ohne Sie der Klassenerhalt noch schwieriger wird…
Ich kann nur sagen, dass ich dem FC Vaduz von Herzen das Beste wünsche. Allerdings kam der FCV schon immer nur über das Kollektiv. Wir waren nicht der FC Neumayr, wie es Trainer Giorgio Contini kürzlich richtig gesagt hat. Das Leben geht immer weiter – auch wenn ich, irgend ein anderer Spieler oder Contini nicht mehr in Vaduz sind. Der Trainer hat recht mit der Aussage, dass jetzt andere die Verantwortung übernehmen müssen. Ich bin überzeugt, dass Vaduz genug Qualität hat, um in dieser Liga zu bleiben. Ich weiss jetzt schon, dass es für uns in Luzern enorm schwierig werden wird, gegen den FCV zu spielen.

Zum Abschluss bitten wir Sie um eine Einschätzung: Wo steht der FC Luzern Ende Saison? Und wo der FC Vaduz?
Beim FC Luzern hoffe ich selbstverständlich, dass er weiterhin vorn mitmischt und noch besser dasteht als bisher. Es wäre ganz toll, wenn wir es ins Cupfinale schaffen würden und dort vielleicht sogar den Titel gewinnen könnten. Vaduz wünsche ich einen einstelligen Tabellenplatz, der gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt wäre.