Renato und Michele Cedrola arbeiten mit ihrer in St.Gallen ansässigen Front Group im Fussball-Business. Sie beraten Spieler, Trainer und Vereine. In Fussballer-Kreisen heissen Leute wie sie Spielervermittler – denen nicht immer der beste Ruf vorauseilt. Die beiden Brüder äussern sich im Interview über ihren jüngsten Transfer, Provisionen, schwarze Schafe im Geschäft und horrende Transfersummen.

Während der Winterpause haben Sie David Abraham vom spanischen Club Getafe zum deutschen Verein Hoffenheim transferiert. Wie ist dieser Transfer zu Stande gekommen?
Renato Cedrola: Dank guter Beziehungen und Networking. Hoffenheim suchte einen starken Defensivspieler, um die Verteidigung zu stabilisieren. Und David Abraham, unser Mandant, wollte in die Bundesliga. Bereits im Sommer hätte er am liebsten zum Hamburger SV gewechselt. Deshalb hatte dieser Transfer eine gewisse Logik.

Bilder: Hannes Thalmann Vermitteln und beraten im Fussball-Geschäft: Michele (links) und Renato Cedrola.
Erschienen im HSG-Focus 1/2013 / Markus Scherrer  zum Original-Artikel
 
Und wie kam die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und David Abraham zu Stande?

Renato Cedrola: Als David Abraham noch beim FC Basel spielte, tat Dynamo Moskau gegenüber uns kund, Interesse am Verteidiger zu haben. Aus diesem Grund haben wir Abraham kontaktiert, der uns daraufhin an seinen Bruder verwies. Wir haben mit seinem Bruder Gespräche geführt und im Laufe derer wurden wir gefragt, ob wir nicht in Zukunft die Interessen von David Abraham vertreten würden. Es entstand eine Vertrauensbasis. In diesem Business geht es ohnehin darum, Vertrauen aufbauen zu können. Übrigens: David Abraham besass damals bereits einen Vorvertrag mit Getafe; dieser hatte aber noch unser Vorgänger ausgehandelt.

Die Spielervermittlung ist auch ein Spiel der Entschädigungen. Wie hoch war Ihre Provision?
Renato Cedrola: Bezüglich Entschädigung gibt es ein klares FIFA-Reglement. Und juristisch gesehen darf man nur einen Auftraggeber haben, sprich nur von einer Partei entschädigt werden. Dies ist entweder der Mandant, also der Fussballspieler, oder der Verein.

Aber wie hoch sind die Entschädigungen generell?
Renato Cedrola: Ganz grundsätzlich ist die Entschädigung verhandelbar. Sie richtet sich nach dem Gehalt des Spielers. Meistens beträgt sie zehn bis zwölf Prozent des Jahres-Bruttolohns.

Aber daran halten sich in diesem Business nicht alle.
Michele Cedrola: Gut, je nach Land läuft es ohnehin anders ab. Ausserdem kommt es auch auf die aktuelle Vertragssituation des Spielers an. Kann er ablösefrei wechseln? Oder muss er aus einem laufenden Kontrakt gekauft werden? Solches hat Auswirkungen auf einen Transfer.

Wie würden Sie eigentlich Ihr Geschäft bezeichnen? Viele Ihrer Berufskollegen hören es nicht gerne, wenn Sie als Spielervermittler bezeichnet werden.
Renato Cedrola: Ich würde es als Informationsbusiness bezeichnen. Wir geben Wissen weiter. Oder anders ausgedrückt: Wir verschieben Informationen. In unserem Fall ist zu sagen, dass wir auch Vereine beraten.

Nutzen denn die Clubs immer stärker die Beziehungsnetze der FIFA-Agenten?
Renato Cedrola: Das kommt auf den jeweiligen Manager des Vereins an. Wir konnten schon mehrmals mit Clubs zusammenarbeiten. Doch das hängt auch vom Vertrauen ab. Denn unser Business ist nicht nur ein Informations- sondern auch ein Vertrauensbusiness.

Bahnt sich irgendwo ein Transfer an, melden sich oft viele Spielervermittler, mit dem Hinweis, der Akteur sei bei Ihnen unter Vertrag…
Renato Cedrola: …ja, ja, es gibt viele Trittbrettfahrer.

Ist das nicht ärgerlich?
Michele Cedrola: Das ist in der Tat sehr mühsam. Diese Erfahrung machten wir wieder einmal beim Transfer von David Abraham zu Hoffenheim. Es gibt Leute im Fussballgeschäft, die keinen Skrupel haben.

Ihrer Front Group eilt auf dem Markt der Ruf voraus, eine äusserst seriöse Agentur zu sein.
Michele Cedrola: Wir bieten nicht einfach Spieler an, die nicht bei unserer Firma sind. Derzeit stehen bei uns etwa 25 Spieler unter Vertrag. Uns ist nicht die Quantität, sondern die Qualität unserer Beratung wichtig. Wir legen grossen Wert darauf, dass wir unsere Mandanten auch betreuen können. Ab einer gewissen Anzahl ist eine seriöse Beratung doch gar nicht mehr möglich.

Nicht alle in Ihrem Business haben diese Qualitätsansprüche und Seriosität. Stören Sie sich nicht an diesen schwarzen Schafen?
Renato Cedrola: Tatsache ist, dass es Vereine gibt, die mit solchen Vermittlern zusammenarbeiten. Würden die Clubs diese schwarzen Schafe einfach links liegenlassen, wären diese schnell von der Bildfläche verschwunden.

Zum Teil werden auf dem Transfermarkt horrende Summen für Spieler gezahlt. Manchester City, Paris St-Germain und Chelsea dienen hierfür als Beispiele. Freut Sie das als FIFA-Agenten?
Renato Cedrola: Ich sehe es nicht negativ. Schliesslich kommt dank diesen Vereinen auch frisches Geld auf den Markt.

Aber diese Entwicklung macht doch den Fussball kaputt.
Renato Cedrola: Klar ist, dass sich auch in dieser Frage am Ende das seriöse Schaffen auszahlen wird. Für mich ist die Bundesliga das beste Beispiel. Die anderen Ligen sollten sich ein Beispiel an Deutschland nehmen.

Interview: Markus Scherrer

Markus Scherrer war lange Jahre Sportjournalist und später Leiter der Kommunikations- und Medienstelle des FC St.Gallen. Heute ist er Stellvertretender Leiter des Ressorts Ostschweiz beim «St.Galler Tagblatt».