Frankfurter Rundschau 05.11.2015

Der freundlichste Wadenbeißer der Liga

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Legt sich ins Zeug und bleibt doch immer die Freundlichkeit in Person: Der Frankfurter Stopper David Abraham.  Foto: Imago

Für den Frankfurter Verteidiger David Abraham ist die Partie bei der TSG Hoffenheim eine Besondere. “Meine Motivation ist groß”, sagt er.

Am Donnerstag, nach dem Geheimtraining bei strahlendem Herbstwetter vor der Wintersporthalle, hat man sehr schön sehen können, wer bei Eintracht Frankfurt am Samstag bei der TSG Hoffenheim alles von Anfang an spielen wird. Zwar durfte keiner beim Üben zusehen, doch nach einer guten Stunde verließ die vermeintliche erste Formation geschlossen den Rasen, Lukas Hradecky, Stefan Aigner, Haris Seferovic, Makoto Hasebe, Aleksandar Ignjovski, den der Trainer Armin Veh vielleicht sogar im linken Mittelfeld einzusetzen gedenkt, Carlos Zambrano, Bastian Oczipka und David Abraham.

Von der ersten Elf fehlten nur noch Alex Meier und Marc Stendera, die gesondert Freistöße übten, und Slobodan Medojevic, der wegen muskulärer Probleme nicht trainierte. Zwar gehe es ihm schon besser als in den letzten Tagen, hinter seinem Einsatz im Kraichgau steht aber noch ein dickes Fragezeichen. Stefan Reinartz, zuletzt außer Form, käme an seiner statt dann ins Team.

Die Partie bei der TSG Hoffenheim ist mal wieder ein wichtiges Spiel für die Hessen, soll doch der leichte Aufwärtstrend in der Bundesliga fortgeführt werden. Für einen aber ist die Begegnung etwas ganz besonderes, für David Abraham nämlich. Der Innenverteidiger spielte von 2013 bis zum Sommer 2015 in Sinsheim und wurde dann, trotz Vertrags, für nicht mehr gut genug befunden. Der damalige Trainer Markus Gisdol, inzwischen durch Huub Stevens ersetzt, setzte eher auf andere. Auf Juniorennationalspieler Niklas Süle, auf Ermin Bikcakcic, Tobias Strobl oder den neu verpflichteten Schweizer Fabian Schär. Die Eintracht griff dankbar zu, 1,5 Millionen Euro für einen Abwehrspieler dieser Qualität ist sicherlich keine übertrieben hochpreisige Summe.

Einst im Team mit Messi

Und David Angel Abraham, aus Chabas in der argentinischen Region Santa Fe, etwa 400 Kilometer nordwestlich von Buenos Aires, erfüllte die Frankfurter Erwartungen. „Er ist ein schneller Abwehrspieler mit einer guten Technik“, charakterisierte Sportdirektor Bruno Hübner den 1,88 Meter großen Verteidiger, dessen Stärken zudem im Kopfballspiel liegen. Erst am Mittwoch lobte Trainer Veh seine Neuzugänge in toto, und schloss ausdrücklich Abraham mit ein. Bislang kam der 29-Jährige in neun Spielen zum Einsatz, nur gegen Ingolstadt und in Hannover fehlte er. Zuletzt hatte ihn eine Knieverletzung zu einer Zwangspause gezwungen. Gegen den FC Bayern München gehört er – bis auf einen Ausrutscher kurz nach der Pause – zu den besten Frankfurter Spielern, und hatte großen Anteil am torlosen Unentschieden. „Aber wie gegen die Bayern können wir in Hoffenheim nicht spielen“, sagt Abraham, der eigens vor TSG-Stürmer Kevin Volland warnt. „Eine Maschine.“

Die Partie gegen Hoffenheim ist für den Mann, der einst in der U20-Auswahl Argentiniens mit Lionel Messi zusammenspielte – danach aber nie mehr für die Albiceleste nominiert wurde – natürlich kein Spiel wie jedes andere. „Meine Motivation ist groß“, sagt er, zumal er weiterhin Kontakt mit den alten Kollegen hält und noch regelmäßig mit den früheren Mitstreitern telefoniert. Vor seinem Wechsel nach Frankfurt hat er sich bei den ehemaligen Eintracht-Profis Joselu und Pirmin Schwegler informiert, beide haben ihm wärmstens zugeraten.

Für die Sinsheimer hat er 46 Spiele bestritten, und er gehörte auch zu den großen Rettern in der Fast-Abstiegssaison 2013, als die Kraichgauer erst durch einen höchst glücklichen 2:1-Sieg in Dortmund überhaupt in den Genuss eines Relegationsspiels kamen – und er schoss im Rückspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern sogar ein Tor. Auch das ist bemerkenswert, denn der Stopper ist nicht das, was man besonders torgefährlich nennen würde, zwei Treffer hat er in 55 Bundesligapartie erzielt.

Dabei hat der Argentinier mit italienischen Wurzeln schon einige Stationen in seiner Laufbahn hinter sich gebracht, er spielte in Argentinien bei CD Independiente, er spielte in der Schweiz beim FC Basel, wo er auch in der Champions League zum Einsatz kam, er spielte in Spanien beim FC Getafe, und eben in Hoffenheim und Frankfurt. Sein Kontrakt in Frankfurt läuft bis 2018, mit dem Peruaner Carlos Zambrano, der gestern wieder trainieren konnte, bildet er ein eisenhartes Paar. Man spricht spanisch in Frankfurts Innenverteidigung.

Abraham braucht Vertrauen

Dazu gehört David Abraham sicherlich zu den freundlichsten, höflichsten Profis in der Branche. Immer hat er ein Lächeln auf den Lippen, er ist zurückhaltend, geduldig, umgänglich. Und keiner, der gerne im Mittelpunkt steht. Er wirkt bescheiden. Seine Ziele formuliert er defensiv: „Man kann alles verbessern und immer noch dazulernen, taktisch, physisch, fußballerisch. Wichtig ist, dass man offen für Neues ist.“ Einmal hat er in einem Interview gesagt, er werde leicht unsicher. Deshalb brauche er ganz besonders das Vertrauen des Trainers und der Mitspieler.

In Frankfurt, so viel steht fest, genießt der freundlichste Stopper der Liga jedenfalls höchste Akzeptanz.